DAS SCHÖNSTE ALLER LEBEN von Betty Boras
Yvonne Böhler ist in der Fleckenbibliothek für den Einkauf der Erwachsenenbelletristik zuständig. Sie hat sich für ein nachdenkliches, aber unterhaltsam geschriebenes Buch als Sommerlektüre entschieden.
Der Roman erzählt drei Geschichten, die alle miteinander verbunden sind. Die Protagonisten sind Theresia, Vio und deren Tochter Sophie. Im 18. Jahrhundert muss Theresia einen hohen Preis dafür zahlen, als attraktiv zu gelten. Sie wird von der Keuschheitskommission entrechtet und verschleppt. Fast 300 Jahre später erfährt auch Vio die Last fragwürdiger Vorstellungen. Kurz nach dem Sturz der Diktatur flieht sie mit ihren Eltern aus Rumänien nach Deutschland. Sich anpassen, bloss nicht im Mittelpunkt stehen und unbemerkt bleiben, das ist der Preis des Ankommens. Trotz allen Schwierigkeiten findet Vio ihren Platz in der Gesellschaft. Jahre später scheint sie, dieses Ziel erreicht zu haben. Sie ist verheiratet und Mutter einer zweijährigen Tochter, äusserlich angekommen. Doch als ihre Tochter nach einem Unfall bleibende Narben zutragen droht, wird Vio von Selbstvorwürfen gequält und scheint daran zu zerbrechen. Die Biografien der Hauptfiguren Vio und Theresia sind über Jahrhunderte hinweg miteinander verwoben. Herkunft, Familie und der Wunsch, ein eigenes Leben zu führen, verbindet sie. Die Autorin Betty Boras, die selbst als Kind von Rumänien nach Deutschland kam, erzählt leise und zugleich ehrlich von Wurzeln, Mutterschaft und von der „fragwürdigen“ Bedeutung von Schönheit. Wer wünscht sich für sein Kind nicht das schönste aller Leben? Yvonne Böhler meint: „Genau diese Frage stand für mich über der Lektüre des Romans. Ein Buch, das mich sehr berührt und zum Nachdenken gebracht hat.