Windstärke 17 von Caroline Wahl
„22 Bahnen“, der gefeierte Debütroman von Caroline Wahl, wurde im letzten Herbst bereits von Barbara Hofmann vorgestellt und ist noch immer im Archiv auf der Website zu finden. „Windstärke 17“ ist nun der Folgeband.
Im neuen Roman der jungen Autorin steht Tildas jüngere, inzwischen erwachsene Schwester Ida im Zentrum. Jahrelang hat sie sich um die alkoholkranke Mutter gekümmert – bis sie diese nach einem Ausflug nach Prag tot im Bett findet. Ida wird von grossen Schuldgefühlen geplagt und will nur noch weg. Sie kündigt ihre Wohnung und steigt mit dem verbeulten Koffer ihrer Mutter in den Zug, der sie möglichst weit fortbringt.
Auf Rügen findet sie bei einem älteren Ehepaar Unterschlupf – fast so etwas wie ein Zuhause. Wenn sie sich in die rauen Wellen der Ostsee stürzt, versucht sie, dem Knoten aus Wut, Trauer und Schuld in ihrem Inneren zu entkommen. Dabei wird sie auch gefragt, ob sie lebensmüde sei – was sie selbst verneint, obwohl sie kaum schläft und die Erinnerung an ihre Mutter sie jede Nacht einholt.
Auch ihre Beziehung zu Leif, in den sie sich verliebt, wirkt unsicher.
Knut sagt: „Leif ist jetzt nicht gerade der Beständigste.“
Ida antwortet: „Im Gegensatz zu mir.“
Die Geschichte ist trotz ihrer Dramatik hoffnungsvoll erzählt – zugleich schonungslos und feinfühlig. Sowohl die Landschaft als auch die Menschen um Ida sind so beschrieben, dass man sich gut in sie hineinversetzen kann und mit ihnen hofft – auf ein gutes Ende, auf ein Stück Glück.
Meine Empfehlung: Ein schönes Sommerbuch – nicht zu schwer, aber auch nicht allzu leicht.