Buchempfehlung

Wie lange ist nie mehr von Doris Büchel

Wenn man älter wird, macht man sich häufiger Gedanken darüber, wie lange gewisse Dinge noch möglich sind. In ihrem Buch beschreibt Doris Büchel, wie sie nach einer emotionalen Krise schreibend wieder zu sich selbst gefunden hat. Obwohl sie ihren Beruf – sie ist Autorin – als Auslöser dieser Krise sieht, beginnt sie gerade deshalb intensiver zu schreiben. Mit sogenannten «Schreibauszeiten», in denen sie viel schreibt und verarbeitet, findet sie schliesslich zurück zu sich selbst. Der Leser begleitet sie auf diesem Weg.

Büchel trifft sich regelmässig mit Menschen im letzten Lebensabschnitt, unter anderem im Hospiz Werdenberg sowie im Rahmen der Hospizbewegung Liechtenstein. Im Kontext der Würdetherapie spricht sie mit Sterbenden und verfasst anschliessend Briefe, die nach deren Tod den Angehörigen übergeben werden. Diese Begegnungen prägen nicht nur die Texte, sondern helfen auch der Autorin selbst.

Während ihrer Aufenthalte an den Küsten Italiens und Portugals sowie auf der Azoreninsel Pico – Orte, an denen sie nichts muss, sondern einfach sein kann – gewinnt sie Zeit zum Nachdenken und zur Reflexion. So findet sie als zuvor gestresste Frau wieder zur Ruhe.

Das Buch ist eindringlich und in einer sehr schönen Sprache geschrieben. Durch die Ich-Perspektive wird man als Leser unmittelbar in die Gedankenwelt der Autorin hineingezogen. Trotz seines geringen Umfangs lässt es sich nicht schnell lesen – immer wieder hält man inne, denkt nach, vergleicht mit dem eigenen Leben.

Es ist kein einfaches Buch, denn es handelt vom Sterben. Gleichzeitig ist es aber auch ein Buch über Lebendigkeit, Nähe und Liebe. Es macht deutlich, wie wichtig es ist, im Hier und Jetzt zu leben.

Marianne Binder

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