Buchempfehlung

Im Fallen lernt die Feder fliegen von Usama Al Shahmani

Yvonne Böhler, im Ausleihteam der Fleckenbibliothek zuständig für den Einkauf von Erwachsenen-Belletristik, hat sich einem brisanten Thema angenommen. Heimat, ein Gefühl, das jeden anders berührt und beschäftigt. Das Buch erzählt von einer Irakerin, die sich zwischen ihrer Heimat und dem Exil hin- und hergerissen fühlt. Aida verleugnet ihre Herkunft. Dies führt immer wieder zum Streit mit ihrem Schweizer Freund Daniel. Er kann vieles über sie nicht verstehen. Während Daniel in den Bergen die letzten vier Monate seines Zivildienstes ableistet, beginnt Aida aufzuschreiben, was sie nicht sagen kann. Geboren in einem iranischen Flüchtlingslager, kam sie mit ihren Eltern und der älteren Schwester in die Schweiz. Die Mädchen gehen zur Schule, aber ihre Eltern kommen mit dem westlichen Alltag nicht zurecht und verklären mehr und mehr ihre Heimat. Der Vater, ein konservativer Theologe, beschliesst schliesslich, mit der ganzen Familie in den Irak zurückzukehren. Aber was für die Eltern die Heimat ist, die sie einst verlassen haben, ist für die beiden Schwestern ein fremdes Land. Als die Ältere verheiratet werden soll, fliehen die beiden Schwestern und gelangen als unbegleitete Minderjährige in die Schweiz. Aber auch sie lässt die Vergangenheit nicht los. Der irakisch-stämmige Schriftsteller Usama Al Shahmani kam 2002 selber als Flüchtling in die Schweiz. Ihm wurde ein regimekritisches Theaterstück zum Verhängnis. Er publizierte drei Bücher über arabische Literatur. Heute schreibt der in Frauenfeld lebende Autor Romane auf Deutsch. Auch in seinem neuesten Roman gelingt es Al Shahmani, die Leser zu berühren. Seine poetische Sprache ist wunderschön, grandios und wichtig, da man viel von der aktuellen irakischen Geschichte lernt. Das Buch ist ein Lesevergnügen und eine Bereicherung, auch wenn die Erzählung von dieser jungen Frau viel Schmerz, Verlust und Frust beinhaltet. Dem Autor gelingt es aber, immer ein Fenster zur Hoffnung offenzulassen. Yvonne Böhler

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