Buchempfehlung

Hope Hill Drive von Garry Disher

Als eingefleischter Australien-Fan habe mich mich sehr gefreut, eine Neuheit in unserem Sortiment zu entdecken, die in diesem wunderbaren Land spielt. Und tatsächlich: nach wenigen Seiten konnte ich die Hitze spüren, die im sommerlichen Süden des Landes herrscht. Die unendlichen Weiten mit den staubigen Strassen irgendwo im Nirgendwo tauchten vor meinem geistigen Auge auf. Es ist Constable Paul Hirschhausens zweiter Fall nach seiner Strafversetzung in die Perspektivlosigkeit des südaustralischen Hinterlands (erstes Buch „Bitter Wash Road“), in ein kleines Kaff namens Tiverton, wo die meisten Einwohner entweder Farmer sind oder sich mit Gelegenheitsjobs mehr schlecht als recht über Wasser halten. Die Handlung beginnt sehr langsam, es gelingt Autor Garry Disher, die Protagonisten so deutlich vorzustellen, dass man sie vor sich sieht. Anfangs geht es nur um Kupferdiebstahl, einen vermissten Hund, eine gestohlene Brieftasche und ein paar verirrte Schafe. Doch nachdem Hirsch, wie er allseits genannt wird, zu einem im Auto eingeschlossenen Kleinkind gerufen wird, nimmt die Geschichte Fahrt auf. Kurz darauf stösst er auf ein Pferdemassaker, eine Frau wird ermordet und zwei Kinder vermisst. Hirsch beginnt akribisch zu ermitteln, platziert ein Mosaiksteinchen nach dem anderen. Dabei wird er jedoch misstrauisch von den Bewohnern Tivertons beäugt – lösen diese doch normalerweise ihre Probleme auf ihre eigene, nicht immer zimperliche Art. Auch die Kollegen aus Sydney sind keine grosse Hilfe. Sie behandeln Hirsch noch immer als korrupten Polizisten, seit er in Adelaide, seinem früheren Arbeitsort, in einen Skandal verwickelt wurde. Ausserdem haben sie keine Ahnung vom Leben im Hinterland. Doch der Constable hat ein Gespür für seine Schutzbefohlenen und dafür, wann er auf eigene Faust ermitteln muss. So folgt er seinen eigenen Instinkten und merkt, dass irgendetwas faul ist. Immer schneller lässt Disher seinen Underdog die menschlichen Abgründe aufdecken und die Zusammenhänge zwischen den Handlungssträngen herstellen. Und ja – am Schluss löst Hirsch den Fall, doch trotz allem bleibt ein schaler Nachgeschmack. Dies ist kein gewöhnlicher Krimi, den man einfach verschlingt, eher ein Buch zum langsamen Entdecken. Ein Muss für alle Freunde des düsteren Schreibens und alle, die schon mal im australischen Outback waren! Dolly Meyer

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