Buchempfehlung

Ein Löwe in der Bibliothek von Michelle Knudsen

Yvonne Böhler, Mitglied im Team der Fleckenbibliothek Bad Zurzach und eigentlich zuständig für die Sortimentsgestaltung der Erwachsenen-Belletristik, hat sich in ein Kinderbuch verliebt. «Ein Löwe in der Bibliothek» soll stellvertretend für die vielen wundervollen neuen Geschichten beschrieben sein, die zurzeit auf den Markt kommen. In einer Bibliothek gibt es Regeln. Herr Hicks von der Ausleihe reagiert ziemlich irritiert, als ein Löwe an ihm vorbeimarschiert und er muss sich erst einmal mit der Direktorin Frau Pepper besprechen. Die nimmt es gelassen und schliesst das Raubtier bald ins Herz, als es beginnt, ihr bei der Arbeit zu helfen. Dass ein Löwe die Bibliothek nicht besuchen darf, steht nirgendwo geschrieben und darum darf er vorläufig bleiben. Aber nur, wenn er sich an die Regeln hält. Und siehe da, der Löwe benimmt sich vorbildlich. Er geht langsam, brüllt nicht, und in der Märchenstunde hört er aufmerksam zu. Er macht sich richtig nützlich. Er entstaubt die Regale, leckt Briefumschläge mit den Mahnungen ab und hilft den kleinen Kindern, die Bücher in den obersten Reihen zu erreichen, indem er sie auf seinen Rücken klettern lässt. Doch eines Tages geschieht ein kleines Unglück und der Löwe sprintet wild durch die ganze Bibliothek und brüllt so laut wie nie zuvor. Herr Hicks hofft, dass er das Raubtier nun verweisen kann. Doch kurz darauf muss er feststellen, dass der Löwe nur Frau Pepper retten wollte. Dann macht sich Herr Hicks auf, ihn wiederzufinden, um ihn in die Bibliothek zurückzubringen. Ob es ihm gelingt? Dieses wunderschön gezeichnete Bilderbuch für kleine und grosse Kinder ab vier Jahren zeigt auf eindrucksvolle und liebliche Weise, dass Regeln wichtig sind, es aber manchmal gute Gründe gibt, sie zu brechen. Die Autorin Michelle Knudsen präsentiert eine erfrischende, liebevolle Geschichte, die Kevin Hawkes mit wunderbaren Illustrationen bebildert. Beim Lesen dieses Kinderbuches wird man als Erwachsener gerne wieder zum Kind und wünscht sich, einen solchen Beschützer und Freund an seiner Seite zu haben, auch wenn er äusserlich nicht den herkömmlichen Vorstellungen entspricht.

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