Dunkelnacht von Kirsten Boje
Ein kurzes, aber sehr intensives Buch, das den Lesenden nicht unberührt lässt. Mit dem Buchcover wird man schon auf die Handlung eingestimmt und ich empfehle allen, das Buch nur zu lesen, wenn man bereit ist für eine harte, grausame und leider wahre Geschichte. Mit dieser Novelle möchte Kirsten Boie dazu aufrufen, dass man nicht vergisst, was in Deutschland auch gegen Kriegsende geschehen ist. In kurzen Sätzen, tagebuchartig, wird die wahre Begebenheit von zwei Tagen Ende April 1945 in einem bayerischen Ort genauestens beschrieben. Die Geschichte handelt von sogenannten Endphasenverbrechen, ein Mob aus Nationalsozialisten, Soldaten und Dorfbewohnern tötet grund- und sinnlos 16 Frauen und Männer, kurz bevor die Amerikaner den Ort übernehmen. Dadurch, dass K. Boie sehr viele Aufzeichnungen und Prozessakten durchgearbeitet hat, seien einige Textstellen wortwörtlich wiedergegeben worden. Ich bin aber froh, dass diese nicht gekennzeichnet wurden, denn so bleibt doch noch ein kleiner Hoffnungsschimmer, dass nicht ganz alles genau so zu und her ging in dieser traurigen und intensiven Geschichte. Das Buch ist ein Jugendbuch und zur Identifikation wurde eine Geschichte mit drei Jugendlichen dazu erfunden. Dadurch, dass die Handlung aus der Sicht von Marie, Schorsch und Gustl erzählt wird, kommt mit ihren Gefühlen wie Verliebtheit, Verunsicherung, Angst, Scham, Borniertheit und Mut die persönliche Perspektive in dieses Buch. Für meinen Geschmack hätte ich gerne noch mehr Details und Erklärungen gehabt, auch wenn das Nachwort und der Anhang sehr gut sind. Da es aber ein Jugendbuch ist, hoffe ich, dass genau wegen der Kürze und Prägnanz das Buch von sehr vielen gelesen wird. Ich kann es aber auch allen Erwachsenen sehr empfehlen. Marianne Binder