Die nicht sterben von Dana Grigorcea
Über dieses Buch wurde in den Medien schon viel gesagt. Die rumänisch-schweizerische Schriftstellerin habe mit diesem Werk eine Art politischen Vampirroman geschrieben, war eine Aussage. Ein Zitat von Bram Stoker, der Vlad, den Pfähler 1974 als Vorlage zu seinem Film Dracula nahm, lässt diesen Gedanken aufkommen. In dieser Geschichte aber geht es um die Überlieferungen aus dem Leben von Vlad Tepes Dracula (Sohn des Drachen) im 15. Jahrhundert. In den Roman eingebunden erfahren wir gut recherchierte historische Ereignisse im mittelalterlichen Rumänien. Grigorcea versteht sich auf üppiges Fabulieren. Sie inszeniert Glanz und Elend der neuen postkommunistischen «Basse-Classerie» ebenso boshaft und sarkastisch wie treffend, schildert aber ebenso schonungslos die aus der Zeit gefallenen Verwandten. Die Erzählerin, eine junge Malerin, kehrt nach dem Studium in Paris zurück nach B., einer kleinen Ortschaft in der Walachei, südlich von Transsilvanien gelegen, am Fuss der Karpaten. Jedes Jahr hat sie bei ihrer wohlhabenden Tante mit Familie und Freunden den Sommer verbracht. Man fuhr mit mehreren Autos und dem halben Hausstand aus der Hauptstadt zur Villa, wo während der Enteignung durch die Diktatur erst der Kommunistenkitsch in den Keller gebracht und das mitgebrachte Interieur im Haus verteilt wurde. Grigorcea zeichnet das leichte Leben der Oberklasse in bunten fröhlichen Farben. Darin eingeflochten sind die Zeiten unter Ceausescu, der in den siebziger Jahren einen Kult um Dracula machte. Als die Familiengruft geöffnet werden muss, wird ein altes Grab gefunden von eben jenem, und fortan will der korrupte Bürgermeister an des Diktators Plänen um einen Draculapark für Touristen anknüpfen. Die preisgekrönte Autorin nimmt uns mit in eine Welt jenseits der Wirklichkeit, zeigt die Abgründe der Gesellschaft auf, Habgier und Rachsucht, und die Rufe „ach, Pfähler! Herrscher! Kämst du doch! Mit harter Hand zu richten!“ lassen einen mehr erschauern als all die alten Geschichten. Der Roman ist unterhaltend und spannend. Geschichte, Politik, Vergangenheit, Gegenwart und alles Menschliche dazwischen ist in eine gut gelungene Erzählung gepackt. Mich hat der Titel angezogen, das Thema fasziniert mich seit Jahren. Aber „Die nicht sterben“ auf einen Vampirroman zu reduzieren, würde ich nicht. Als schönen Sommerroman empfehle ich ihn gerne. Monika Ritter