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Der stille Held TOM CREAN von Michael Smith

Bestimmt können sich einige aus dem Geschichtsunterricht noch erinnern, dass der Südpol 1911 vom ersten Menschen erreicht wurde. Und dass dieses Kunststück der Norweger Roald Amundsen gelang, während der Engländer Robert Scott das Rennen zum südlichsten Punkt der Erde verlor. Vor meinem geistigen Auge entstand dabei immer ein Bild einer Reihe von Männern im Schnee, die eine Flagge am Südpol platzieren. Das dies nur ein ganz kleiner Ausschnitt aus den Bemühungen dieser Abenteurer ist, wird spätestens bei der Lektüre von «Der stille Held Tom Crean» klar. Michael Smith erzählt die Geschichte über die Blütezeit der Polarforschung anhand des Lebens von Tom Crean. Der irische Bauernsohn aus ärmsten Verhältnissen, der sich aus Mangel an Alternativen zur Navy meldete, kam eher zufällig zu seiner ersten Reise in die Antarktis, als er in Neuseeland als Ersatz für einen desertierten Soldaten der «Discovery» unter Robert Scott verpflichtet wurde. Dies sollte die erste von drei Reisen in die Antarktis werden, die Tom Crean im Laufe seines Lebens unternehmen sollte. Eindrücklich schildert der Autor anhand von erhalten gebliebenen Tagebüchern und Berichten von Überlebenden die Mühsal der Männer, die sich aufmachten, den letzten weissen Fleck der Erde zu erobern. Den ersten antarktischen Winter verbrachten sie an Bord des Schiffes in beklemmender, viermonatiger Dunkelheit, bevor die Expedition überhaupt starten konnte. In eisiger Kälte, mit unzureichender Ausrüstung und zu wenig Proviant versuchte die Gruppe um Robert Scott, zum Südpol zu gelangen. Dabei mussten sie die Schlitten mit hunderten Kilos Ausrüstung selber ziehen. Fehleinschätzungen der Umstände, falsche Entscheidungen des Expeditionsleiters und nicht zuletzt unglaubliches Wetterpech standen den Abenteurern bei der Erreichung ihres Ziels im Weg. Nur dank dem unermüdlichen Einsatz und Heldenmut von Tom Crean ist es zu verdanken, dass nicht mehr Männer ihr Leben lassen mussten. So wurde die erste Expedition zum Südpol abgebrochen. Doch auch die zweite Expedition von Robert Scott im Jahr 1911 stand unter keinem guten Stern. Er sollte zwar (nach Roald Amundsen) den Südpol erreichen, jedoch auf dem Rückweg sein Leben lassen. Die Gruppe um Tom Crean, die kurz vor dem Ziel zurückgeschickt wurde, überlebte knapp – wieder der Verdienst des Iren, der völlig entkräftet, abgemagert und durchnässt die letzten 56km zum Camp in einem spektakulären Marsch allein bewältigte, um für seine zwei erschöpften Kameraden, die im Zelt zurückgeblieben waren, Hilfe zu holen. Wesentlichen Anteil hatte Tom Crean auch an der Entdeckung der toten Kameraden um Robert Scott, ohne die die Tagebücher dieser 2’800km langen Expedition wohl verloren gewesen wären. Die dritte Reise sollte unter Ernest Shackleton stattfinden und eine Durchquerung der Antarktis werden. Doch das Schiff wurde schon früh im Packeis eingefroren und die Expedition erreichte nie das «Festland». Stattdessen trieben sie einen Winter lang über das Meer, das Schiff wurde vom Eis zerquetscht. Nur dank schier unvorstellbaren Anstrengungen und Entbehrungen überlebten die Männer auch diese Katastrophe.

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