Das kann doch weg von Fumio Salaki
Monika Ritter Schweizer, langjährige Mitarbeiterin der Fleckenbibliothek Bad Zurzach, hat sich mit einem Alltagsthema beschäftigt, das allen immer wieder vor die Füsse fällt – dem Aufräumen. Ist Ihnen der Begriff Minimalismus geläufig? Haben Sie schon von Marie Kondo gehört? Entweder sind Sie jetzt neugierig oder Sie sagen, jetzt kommt die auch noch mit dem Thema. Wenn Sie noch kein Entrümpelungsprofi sind und doch einige Dinge loswerden möchten, empfehle ich Ihnen das Buch von Fumio Sasaki. Er hat seine Wohnung nach den Vorgaben der Aufräum-Ikone Marie Kondo entrümpelt. Begeistert schreibt er vom neugewonnenen Platz in seiner Wohnung, denn er war einmal ein grosser Maximalist. Im Flur stapelten sich Bücher. Der Schreibtisch war übervoll, und er konnte kaum putzen vor lauter herumliegender Sachen. Sasaki hat rigoros geräumt und besitzt jetzt noch vier T-Shirts, drei Hemden und fünf paar Schuhe. Im Ganzen vielleicht gerade einmal noch an die 200 Gegenstände, die er sein Eigen nennt. So in etwa könnte eine kurze Bestandsaufnahme seiner Besitztümer lauten. Wer ihm folgen will, wird geduldig beraten. In 55 Kapiteln gibt er Tipps, übersichtlich und prägnant geschrieben, die für jeden, der zu seinen Dingen, egal wie vielen, Lebewohl sagen möchte, etwas Hilfreiches beinhalten. Zum Beispiel: Wenn du etwas ein Jahr nicht mehr benutzt hast, ist es wohl Zeit, Lebewohl zu sagen. Oder: Reduziere alles, was du doppelt hast. Oder auch: Unser Zuhause ist kein Museum; es bedarf keiner Sammlungen. Oder all die schönen Sachen, die herumstehen, um uns zu erfreuen, an Erlebnisse oder Personen zu erinnern: Er hat die seinen alle fotografiert und verkauft. Bei Bedarf sieht er sich die Fotos auf seinem Laptop an, der für ihn Büro, Fotoalbum und Unterhaltung ist. Darauf liest er Bücher, oder sieht sich manchmal einen Film an. Seine Wohnung misst 20 Quadratmeter. Es geht nicht nur um Dinge, die einen einengen und einem die Sicht versperren. Es geht auch um die persönliche Vergangenheit. Dazu passt hierbei der Tipp, Adieu zu seinem früheren Selbst zu sagen. Denn an Dingen aus der Vergangenheit festzuhalten, sei wie an einem Bild von sich selbst aus der Vergangenheit festzuhalten, so Sasaki. Ich finde, da ist durchaus etwas dran. Denn sich von Dingen zu trennen verändert. Damit wären wir dann auch schon beim nächsten Punkt des Buches – Sasakis persönlicher Veränderung. In zwölf Punkten beschreibt der Autor schliesslich, wie er und sein Leben sich seit seinem Wandel zum Minimalisten verändert hat. So erfahren wir, dass er nebst Platz auch mehr Zeit gewonnen hat. Ein kostbares Gut in unserem heutigen Alltag. Er umgibt sich nur noch mit Dingen, die er braucht, und hat nun mehr Zeit, das zu tun, was ihm Freude bereitet. Alles in allem habe ich das Buch sehr gerne gelesen. Gerade weil es mich schon länger interessiert hatte. Auch einfach einmal spannend ist die Sichtweise eines Mannes zu diesem Thema. Nun ist Sasaki wohl ein eher extremes Beispiel für einen Minimalisten. Man kann in seinem Fall sicher schon von Extrem-Minimalismus sprechen. So weit wie Sasaki muss man sicher nicht gehen, dennoch finde ich das, was er schreibt, sehr anregend. Zusammenfassend könnte man wohl sagen, man bekommt eine Anleitung zur Verringerung seiner Habe. Wie weit man dabei gehen will, entscheidet jeder selbst. Auch der kleinste Erfolg kann froh machen. Auf alle Fälle kann ich dieses Buch jedem, der sich für das Thema Minimalismus interessiert, nur empfehlen.