Anna Forster erinnert sich an die Liebe von Sally Hepworth
Catherine Schindler Kündig hat sich an ein für sie untypisches Thema herangewagt: Alzheimer in jungen Jahren. Genau darum geht es im Buch «Anna Forster erinnert sich an die Liebe» von Sally Hepworth. Deren Schreibstil hat Schindler von der ersten Seite an in den Bann gezogen. Das Buch hat sie im Griff gehalten und erst mit der letzten Seite wieder losgelassen. Doch die Nachwehen spürt die Leiterin der Fleckenbibliothek Bad Zurzach immer noch. Anna Forster ist 38, als sie die schreckliche Diagnose Alzheimer erhält. Nachdem auch ihre Mutter an Alzheimer erkrankt ist, weiss Anna genau, was sie erwartet. Gemeinsam mit ihrem Zwillingsbruder entscheidet sie sich, in ein betreutes Wohnheim zu ziehen. Im Rosalind House wohnt eine weitere Person in Annas Alter, Luke. Er leidet an einer anderen Form der Demenz. Nach einiger Zeit nähern sich Anna und Luke an, bis es zu einem schrecklichen Unfall kommt. Von einem Tag auf den anderen werden sie voneinander ferngehalten. Nur eine Person ist bereit, den beiden zu helfen, nämlich Eve, die neue Köchin, obwohl diese selbst mit ihrem Leben zu kämpfen hat. Ich tue mich sonst eigentlich immer schwer damit, Lebensgeschichten zu lesen. Doch ich war in Stimmung, mich mit dem Thema Alzheimer ein wenig auseinanderzusetzen. Die Lektüre hat sich gelohnt. Mit Distanz und Verständnis beschreibt Sally Hepworth die Betroffenheit der Angehörigen, gibt dem Leser Zugänge in die Welt der Betroffenen und zeigt, wie schnell die Krankheit voranschreiten kann. Beim Lesen versteht man die Probleme und Gefühle von Demenzkranken von Seite zu Seite besser. Auch wenn Annas Schicksal auf den ersten Blick deprimierend ist, zeigt die Geschichte, dass Alzheimer zwar das Gehirn, nicht aber das Herz angreift und weiterhin Liebe empfunden werden kann.