Als die Welt stehen blieb von Maja Lunde
„Als die Welt stehen blieb“ ist ein Tagebuch der fünfköpfigen Familie Lunde aus Norwegen. Maja Lunde ist Autorin und sie hat drei dystopische Romane über grosse Klimakatastrophen geschrieben, aber sie hat noch nie in einer Dystopie gelebt. Als in Norwegen jedoch auf Grund der Coronapandemie ein Lockdown verhängt wird, steht auch sie, wie viele Eltern auf der ganzen Welt vor dem Spagat zwischen Homeoffice und Homeschooling. Plötzlich ist die ganze Familie immer zuhause. Was zunächst nach gemütlichem Familienleben klingt, entwickelt sich zunehmend zu einer aggressiven Stimmung. Alle sind gereizt und genervt. Die Kinder vermissen das Lernen mit den Freunden und den Eltern fehlt die Konzentration beim Arbeiten. In ihrem Buch beschreibt Maja Lunde gut, wie sie mit dieser für alle neuen Situation umgehen. Sie berichtet von der Angst, etwas falsch zu machen und ihre Sorge um das Leben der Grosseltern. Aber auch von dem Zwang, immer die neuesten Informationen zur Pandemie zu haben, so dass das Tablet und Smartphone zum ständigen Begleiter werden. Während des Lesens sind mir viele Parallelen zu meinem Leben hier aufgefallen. Es ist etwas zur Realität geworden, was man sich vorher nicht vorstellen konnte. Der Roman ist eine emotionale Dokumentation über den ersten Monat im Lockdown, der unser Leben nachhaltig beeinflusst hat oder immer noch tut. Die Atmosphäre während des Lesens ist trist und wenig hoffnungsvoll, so dass das Buch nicht mehr Seiten braucht. Der Tatsachenroman hat mich aber angesprochen, da ich die anderen Bücher von Maja Lunde gelesen habe und sie mich zum Nachdenken angeregt haben. Auch das neueste Buch tut das, aber auf eine andere Art. Dadurch, dass man das Gleiche erlebt hat, ist es eher langweilig. Die drei anderen fiktiven Romane, «Die Geschichte der Bienen», «Die Geschichte des Wassers» und «Die Letzten ihrer Art», sind bestimmt keine Unterhaltungsromane. Aber sie sind spannend geschrieben. Und ich finde, es schadet nichts, sich auch mal mit ernsten Themen zu beschäftigen, darüber zu lesen, sich dann auch Gedanken zu machen, was man im Alltag zu Gunsten unserer Umwelt verändern könnte. Yvonne Böhler